Maria auf Besuch


Kommentar: Bericht zum Besuch Mariens in den Pfarreien Camata, Aucapata, Ayata und Titicachi im Juli 2011.


Copacabana ist der Wallfahrtsort Boliviens. Dort wird eine holzgeschnitzte Marienfigur, schon im 16 Jahrhundert von einem Inka-Nachkommen hergestellt, in ganz Bolivien und Südperu verehrt.

Und „Maria von Copacabana“ wird unsere Pfarreien besuchen – so kündigte der Bischof an und liess drei Kopien herstellen fúr die ganze Diocese El Alto.

Eine davon wurde in unsere Pastoralzone gebracht, wo sie nach guter Planung alle Pfarreien wie in einer Rundreise besucht.Die weitesten Strecken hatte die die Marienstatue zweifellos in unseren Tälern zurückzulegen. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, sie aus dem 6 Stunden entfernten Camata abzuholen.Erst einmal waren wir ohne Benzin. Da wir im Norden von La Paz durchs Grenzgebiet von Peru fahren mûssen, werden wir strikt auf Benzin kontrolliert. Ich vertraute aber darauf, dass die Schmuggler auch auf der bolivianischen Seite der Grenze Benzin verkaufen, wenn auch mit erhöhtem Preis. Mit leerem Tank kam ich im Schmugglerdorf an und hatte Glück. Ich konnte volltanken, aber zum doppelten Preis. Alejandro, ein junger Mann der mit mir lebt und der Zeit Chauffeur lernt, übernahm meist das Auto in diesem Hochgebirge. Wir kamen pünktlich in diesen verlorenen Städtchen Camata an, ganz tief eingegraben neben einem Gebirgsfluss, und schon im subtropischen Klima gelegen.

Die Leute kamen zusammen und feierten nochmals mit uns, ehe sie uns am nächsten Tag die Marienstatue überliessen. Ich beobachtete wie die Menschen zur Marienstatue ein Vertrauen entwickelten, das man leicht bei Kindern findet, die sich ihren Eltern zuwenden.

Der zweite Tag ging über Stock und Stein mit der hochaufragenden Marienstatue hinten im Pickup. Durch Lamaherden, Alpaca- und sogar Vikuña-gruppen und über dreifache Pässe die jeweils an die 4700 m reichen, kamen wir ins Städtchen Aucapata, das weit unten am Hang liegt, schon in einem angenehmeren Klima auf 2900 Höhenmetern. Hier erwarteten uns Leute, die seit langem in La Paz wohnen und zum Mittelstand Boliviens zu rechnen sind.

Sie erwarteten uns und sofort nach unserer Ankunft wurde von ihnen eine Prozession improvisiert, mit Zamponias, Trommel, Marienliedern und Gebeten. Und von Herzen kommenden Ansprachen.

Dann zwang man uns Fernfahrer zur Mittagspause, es gab ein Festessen für uns alle, die wir den Transport begleiteten.

Als wir in die Kirche zurückkamen war sie erhellt von Kerzen, es herrschte Stille und die Menschen sassen gesammelt in ihren Bänken. Es war als ob viele mit dem Bild Mariens eine Zwiesprache hielten, und die Stille des Kirchenraumes mit ihrer Meditation füllten.

Aber nicht nur hier, sondern auch in allen Stationen der Reise wurde die Marienstatue sehr gut aufgenommen.Aber meist machte die Marienfigur in den Indianerdörfern Halt. So sammelten sich die Leute, angespornt durch ihre Dorfvositzenden, in allen Dörfern und nahmen sich einen Tag Zeit. P Javier, erst im letzten Jahr zum Priester geweiht übernahm die Begleitung der Marienstatue 6 Tage lang. Am Ende war er erschöpft aber doch sehr glücklich über diesen Besuch – den hatte er sich nicht so erfolgreich vorgestellt.

Ich hatte mich dann entschlossen, in meinen Dörfern auch die Beichte anzubieten. Während die Katechisten den Rosenkranz beteten und Lieder sangen, kamen ständig Frauen (weniger Männer) in die Sakristei und sagten, was sie auf dem Herzen hatten. Sie beichteten eigentlich gar nicht, denn es war keine Sünde was sie bekannten, sondern sie sagten mir das was sie auch Maria erzählt hatten: sie sprachen von ihren Sorgen, von den Kindern und den Schulsorgen, von den Jugendlichen, von den geringen Einnahmen, vom kranken Mann und von allem was so die die Familie belastet. Ich hörte zu. Ich dachte an Maria in Guadalupe, die in ihrer Basilika oben über den Menschen schwebt, aus tausenden Augenpaaren beobachtet und aus vielen Herzen bestürmt wird. Und sie hört einfach zu, die Besucher fühlen sich aber verstanden wie nirgendwo. So war es auch in mehreren Dörfern: die Gebetszeit reichte leicht in die 4 Stunden hinein. Am Ende war der Pfarrer erschópft, die jungen Leute wusstennicht mehr wie singen und beten und immer noch waren Leute in der Kapelle.

Beeindruckend die Zeugnisse:Sagte ein alter Mann : 15 Jahre bin ich schon zuckerkrank – Pater, - es waren schwere Jahre, - nur das wollte ich dir sagen (dir und der Mamita – Maria, die uns gerade besucht). Oder eine bildhúbsche junge Mutter, ich schätzte sie auf 18 oder 19, sie war aber 25 und hatte drei Kinder und ihr Mann kam vor kurzem bei einem Autounfall ums Leben. Sie erzählte mit starker Stimme von ihrem Schicksal. Sie bat um nichts, sie wollte nur ihre Sorgen loswerden. Ich war wie das Ohr einer anderen, hörte zu, fragte nach, um besser zu verstehen, gab Ratschläge, und nahm die erzählten Schicksale in mich auf. Am Ende der kurzen Unterhaltung gab ich den Segen – So ging das stundenlang weiter, die Menschen waren da , um sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Dann wieder ein neues Dorf, die herzliche Aufnahme, die vielen Menschen, Männer, Frauen und Kinder, die vielen Kerzen, die ausgebreiten Tücher mit Maiskolben und Kartoffeln, all die Nahrungsmittel, die man selbst anbaut und von denen man buchstäblich lebt.

Ich konnte nirgends Götzendienst erleben, es war wohl allen klar, dass das Abbild der Muttergottes von Copacabana nur eine Kopie war, dass sie besuchte. Aber in der Betrachtung der Marienstatue gelang ihnen, den einfachen Leuten, ein Dialog mit der autentischen Mutter Jesu.

Was brachte sie ihnen? Was brachte der Besuch ein ? Er war wie eine Oase in der rauhen Wirklichkeit, ein Hauch von Gnade und eine starke Portion Mut auf dem weiterhin rauhen Weg. Wenn es nur das war, dann war ihr Besuch sinnvoll. Und Dankesworte wie: „Wir danken von Herzen dass ihr die Idee hattet, uns die „Mutter von Copacabana“ zu bringen. Vielleicht stammt diese Idee aus Aparecida und dem súdamerikanischen Bischofstreffen, und unser Bischof hat diesen Vorschlag als erster in Bolivien in die Tat umgesetzt. Wie auch immer, es waren für mich 14 Tage voller Begegnungen und innerer, seelischer Erregungen. Besser als ein Film, ein Tanz, oder ein Fest. Und ohne faden Nachgeschmack.

Wie kann man das einem Mitteleuropäer erklären? Wird er uns nicht richten und meinen wir seien im Aberglauben und Mittelalter verfangen und entwerfen Pastoralstrategien um die einfachen Leute zu verdummen und die Kirchen zu füllen?

Wir leben aber unter den 70 bis 80 % der Bevölkerung der Dritten Welt und haben wohl ein Recht darauf, die Pastoral so zu gestalten, dass sie einfache Menschen anspricht und aufbaut. Wir schauen ein wenig ratlos nach Europa, dem gescheiten und aufgeklärten Kontinent, der so sagt man, auf der Suche ist. Ob wir nun auch alles aufgeben und uns auf die Suche begeben damit wir weiterhin „in“ bleiben und „modern“ sind?

Oder dürfen wir unsere eigene Wege gehen, uns an dem Besuch der „Mamita von Copacabana“ erfreuen, erbauen und hoffen, dass die Zeiten auch fúr die Indianer Boliviens endlich einmal besser werden.

Urteilen sie selbst ...


Gebet auf freiem Feld Was in den Herzen der Indio-Frauen wohl vorgeht? Prozesion über den Dorfplatz Brotzeit nach Stundenlangem Beten Mystische Stimmung vor dem Marienbild

Marias Besuch, Bericht vom Sonntagsblatt Teil 1: Attach:page1.pdf
Marias Besuch, Bericht vom Sonntagsblatt Teil 2: Attach:page2.pdf