Der Eremit von Titicachi


Kommentar:
Bei einem Blitzbesuch von nur 24 Stunden entsteht aus einem Arbeitssamen Pfarrer ein weltfremder Eremit. Lesen Sie selbst:


Titicachi ist von La Paz aus nur schwer zu erreichen. Zehn bis 20 Stunden dauert die Fahrt. Es geht durch Schnee, Schlamm und Geröll, über hohe Pässe und durch tiefe Schluchten bis in einen entfernten Ausläufer des Altiplano. Dort lebt seit 30 Jahren Max Schiller. Äußerlich wirkt der 65-jährige gebürtige Franke wie ein erprobter Bergsteiger. Ein hagerer, ausgezehrter Körper.

Sein selbst gezimmertes Pfarrhaus erinnert mit seiner offenen Holzgalerie an eine bayerische Bauernkate. Schon früh am Morgen hocken, eingehüllt in ihre Ponchos, die ersten Bittsteller unter dem Balkon. Max Schiller ist ein „Kleiner Bruder vom Evangelium“. Ursprünglich wollte er auf den Spuren des Wüstenheiligen Charles de Foucauld ein beschauliches Leben mit den Armen führen. Dann rüttelte ihn das Konzil wach. Er las von der großen Not in Lateinamerika und beschloss, in diese Einöde zu ziehen. Angesichts des Priestermangels studierte er Theologie, um als Seelsorger zu arbeiten. Jahrelang hat er mit einem Mitbruder vier riesige Pfarreien mit 17- bis 18.000 Einwohnern betreut. Manche Dörfer waren nur in tagelangen Märschen und Strapazen zu erreichen. Die Ortschaft Camata etwa wurde erst vor elf Jahren an die Außenwelt angeschlossen. Mit Hilfe von Adveniat hat er dort die verfallene Kirche wieder aufgebaut und sieben Laienführer ausgebildet, die in entlegenen Weilern pastorale und soziale Hilfe leisten.

Jetzt hat er das Hinterland in die Obhut von Salesianerpatres gegeben und seinen Aktionsradius auf die Pfarreien Ayata und Titicachi mit ihren zehn Kapellen begrenzt. Er hat sein Haus bestellt: Er hat Schulen, Kindergärten, Kirchen und Kapellen gebaut, eine ländliche Klinik errichtet, Handwerksschulen und Genossenschaften gegründet. 2007 wurde einer seiner Katecheten zum ersten Diakon seines Tales geweiht. Darauf ist er stolz. Vieles von dem , was sein Leben ausmachte, will er nun in andere Hände legen: die Katechese, die Schularbeit, die Frauenprojekte. Er habe sich immer auf Adveniat verlassen können, sagt er rückblickend.

In den Jahren, die ihm noch bleiben, will er noch etwas „wirklich Wichtiges“ leisten: Er erinnert sich seiner ursprünglichen Berufung und plant ein geistliches Zentrum. Er hat dafür den idealen Platz gefunden: eine halb verfallene Hacienda auf einem Felsvorsprung mit einer uralten Kapelle. „Bisnocco“, sagt der Padre, „war schon zur Inka-Zeit ein Ort der Kraft“. Von dort will er gemeinsam mit anderen die vielen Projekte, die er angestoßen hat, mit geistigem Kraftstoff versorgen.

Dieser Bericht, sowie Fotos wurden im Jahre 2007 von Adveniat veröffentlicht.


Gottesdienst in Titicachi Der Eremit bei der Morgenmeditation Frühstück mit Freiwilligen Taufen in Aucapata Geistliches Zentrum Bisñoco Frauen in der Schneiderei der Handwerksschule Altiplano Boliviens 4000m Meereshöhe